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Harald Petzold und Franz Sodann

Aus dem Leben Stefan Heyms: szenische Lesung am 3.6. in Oranienburg

Die Lesenden: Harald Petzold, Thomas Nord, Gerrit Große und Franz Sodann

 Um Leben und Werk Stefan Heyms zu würdigen, hatte DIE LINKE Oberhavel zu einer szenischen Lesung eingeladen, zu der etwa 30 Zuhörende den Weg ins Bürgerzentrum in Oranienburg fanden. Stefan Heym wäre im April dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Die Lesenden Gerrit Große, Thomas Nord, Franz Sodann und Harald Petzold schlüpften in verschiedene Rollen und trugen aus Briefen, Gedichten, Interviews und Artikeln von, mit und über Stefan Heym vor. Jeder der Texte spiegelte ein Stück seines Werdegangs, seines Mutes, seiner Ehrlichkeit und Integrität wider. Franz Sodann rezitierte das Gedicht „Exportgeschäft“, welches der Auslöser dafür war, dass der Schüler Helmut Flieg – wie Stefan Heym damals noch hieß – von der Schule gehen musste. Er ging nach Berlin, nach Prag, dann in die USA. Und überall, bei allem, was er publizierte und egal, in welchem Gesellschaftssystem er steckte, er benannte  Schwächen, offenbarte Lügen und stellte Machthaber bloß. Er hatte nie Angst zu schreiben und zu sagen, was er dachte. So konnte man es auch aus den zahlreichen Interviews in der Lesung erfahren. Dies brachte ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch immer Gegner. Viele Jahre, während Stefan Heym in der DDR lebte, war er für die westlichen Medien einer, der mit seinen Schriften Widerstand leistete. Doch für ihn war immer klar,  „(...) Der Sozialismus nicht der Stalinsche, der richtige, den wir endlich erbauen wollen zu unserem Nutzen und zum Nutzen ganz Deutschlands, ist nicht denkbar ohne Demokratie.(...)“ So hörte man es damals am 4. November zur Grundkundgebung auf dem Alexanderplatz und am 3. Juni im Bürgerzentrum. Stefan Heym kandidierte 1994 als Parteiloser auf der Liste der PDS. Auch das, so erfuhren die Zuhörer aus einem offenen Brief von dem grünen Abgeordneten Konrad Weiß an Stefan Heym, stieß bei einigen auf Unverständnis. Stefan Heym gewann das Mandat und eröffnete als Alterspräsident den 13. Deutschen Bundestag. Diese Rede, die man im Plenarprotokoll 13/1 nachlesen kann, hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. „(...) Arbeits- und Obdachlosigkeit, Pest und Hunger, Krieg und Gewalttat, Naturkatastrophen bisher unbekannten Ausmaßes begleiten uns täglich. Dagegen braucht es zivile Lösungen: politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle. (...) Die Menschheit kann nur in Solidarität überleben. (...) All dieses jedoch kann nicht die Angelegenheit nur einer Partei oder einer Fraktion sein. Es ist nicht einmal die Sache eines Parlaments nur, sondern die aller Bürgerinnen und Bürger, West wie Ost. (...)“ Diese Haltung vertrat Stefan Heym Zeit seines Lebens. Es braucht auch heute noch Menschen wir ihn, die so Zusammenarbeit verstehen, um in unserem Land und in der Welt etwas zu bewegen. Und genau dies vermittelte diese szenische Lesung: Stefan Heym – einer, der nie schwieg.    <xml> Normal 0 2 </xml>